Dinslakener Geschichte: Von der Dinslakener Burganlage
 


 
Übersicht Geschichte

 

Die ehemalige Burg in Dinslaken

Im Verlauf des hohen und späten Mittelalters kam es immer wieder zu Konflikten zwischen den beiden mächtigen Territorialherren am Niederrhein. Dies war zum einen die Herzog zu Kleve. Zum anderen war dies der Erzbischof von Köln, der als Fürstbischof nicht nur Fürst der Kirche sondern auch Landesherr über ein großes Territorium und Kurfürst des Hl. Römischen Reiches Deutscher Nationen war. Obwohl er einer der Mächtigen war, die den Kaiser wählten, hatte er im Klevischen nur kirchliche Kompetenzen. Wie alle Fürsten waren beide darauf bedacht, ihr Hoheitsgebiet zu erweitern. Fehden und Übergriffe waren an der Tagesordnung.

Im 12. Jahrhundert ließen die Grafen zu Kleve in Dynxlaken zunächst ein Kastell erbauen, das um 1420 zu einer Burganlage aus- und umgebaut wurde. Diese Burganlage bildete zusammen mit den Stadtbewohnern die äußerste rechtsrheinische Bastion der Grafen zu Kleve gegenüber dem Erzbischof von Köln.

Die Burg wurde lange Zeit von einem Rentmeister verwaltet. Den Begriff bzw. die Funktion des Rentmeisters ist uns bis heute sowohl im Heimatverein als auch in den traditionellen Pumpennachbarschaften überliefert und erhalten geblieben.

Während des 30jährigen Krieges wurde die Burg im Jahre 1627 von den Holländern niedergebrannt.

Der Hauptturm wird 1770 durch Blitzschlag erheblich beschädigt. Die restliche Burganlage wird umgebaut und Sitz des Dinslakener Rentmeisters.

Anfang des 19. Jahrhunderts residierte hier der Domänenrat Friedrich Theodor Althoff, der Vater des berühmten Friedrich Althoff, der als Ministerialdirektor im preußischen Kultusministerium das Schulwesen um die Jahrhundertwende reformierte. Auch die Technischen Hochschulen sie wurden damals erst eingerichtet hat Althoff entscheidend beeinflusst, und den Höheren Mädchenschulen gab er feste Norman.

Marie Althoff, die Frau des Friedrich Althoff, beschreibt in ihrem Buch "Aus Friedrich Althoffs Jugendzeit" das Leben auf dem Kastell als eine typische Idylle der Biedermeierzeit mit vielen kleinen rührenden Begebenheiten.

"Dinslaken, wo er geboren wurde, ist ein unbedeutendes Landstädtchen, das damals etwa 1800 Seelen zählte. Aber der Ort hat seine Geschichte. Die Eltern hatten hier eine Schlossbesitzung, die seit der vorigen Generation der mütterlichen Familie gehörte (gemeint sind die von Buggenhagen auf Haus Bärenkamp). Im Erdgeschoss an dem großen rechteckigen Hof, wo jetzt der Domänenrat sein Amtszimmer hatte, soll einst ein Fehmgericht gewaltet haben. Das Kastell lag so schildern es die Kameraden aus seiner Kindheit wie eine Burg auf einer Erderhöhung. Von der Eppinghovener Straße aus ging es in langsam ansteigender Linie hinauf. Bis zur Kastellanwohnung war diese kurze Straße gepflastert, dann kam bis zur Torbrücke ein chaussierter Weg, der von mächtigen alten Ulmenbäumen angefasst war. Bis zum Torbogen führte eine Brücke ursprünglich eine Zugbrücke die rechts und links mit einer etwa meterhohen Mauer eingefriedet war, um das Abstürzen zu verhindern.

In der Mitte des Rasenplatzes auf dem Hofe stand auf langem Baumpfahl ein Taubenhaus, darunter ein Behältnis mit Kaninchen, Meerschweinchen und Igeln. Rechts lag hinter altstämmigen Linden das schlossartige Gebäude, weiß gekälkt mit vielen Fenstern, davor Oleander und Granatbäume in großen Kübeln. Im rechten Flügel befand sich die Schreibstube des Domänenrats, während der linke Flügel Arbeitszimmer der Kinder enthielt. An den linken Flügel schlossen sich die Stallungen, Scheunen und die anderen Wirtschaftsgebäude an, um deren Mauern sich echter Wein rankte.

Zu dem Kastell gehörte auch eine Ruine. Sie war der Rest des mächtigen Rundturms."

1853 wird die Dinslakener Burg von der Familie de Fries erworben, die darin eine Landwirtschaft und eine Schnapsbrennerei etabliert.

In den Resten und auf den Trümmern der ehemaligen Burganlage wurde 1909 mit der Errichtung eines Kreishauses begonnen, das durch Brand und Krieg zerstört, wieder aufgebaut wurde. Heute befindet sich in dem ehemaligen Kreishaus das Dinslakener Rathaus mit dem Sitz der amtierenden Bürgermeisterin, dem Sitzungszimmer des Stadtrates und einigen Amtsbereichen wie Standesamt und Stadtarchiv.

 

 

   
Das Castell um 1850 Das Kastell um 1900 Das Kreishaus um 1909 Zeichnung: Tillmanns
Das Kreishaus um 1935 Das Kreishaus um 1935 Das Kreishaus um 1940 Das Kreishaus um 1950
 
Das Kreishaus um 1950 Das Kreishaus um 1963