Dinslakener Geschichte 1958


Der Dinslakener Wasserturm wird gesprengt
 

Am 18. Juni 1958 wurde der Dinslakener Wasserturm gesprengt. Damit sank in wenigen Sekunden ein Bauwerk zu einem Trümmerhaufen zusammen, das mehr als fünf Jahrzehnte ein Wahrzeichen der Stadt Dinslaken und für die Trinkwasserversorgung unentbehrlich war.

Anfang 1903 wurde der hohe Turm an der Wasserturmstraße (heute: B8 – Willy-Brandt-Straße) im Schatten des Friedhofes nahe der alten Landwirtschaftsschule in Betrieb genommen. Weit höher als der auf alten Stichen abgebildete Burgturm überragte er die Silhouette der Umgebung.

Als 1923 eine Erweiterung der Wassergewinnungsanlage notwendig wurde, beschloss man, nichts mehr zu investieren und das Dinslakener Netz bei den Thyssenschen  Gas- und Wasserwerken anzuschließen. Seit 1923 hatte also der Dinslakener Wasserturm ausgedient.

Kriegseinwirkungen hatten dem rund 30 Meter hohen Turm, der in Zementmörtel auf einer starken Eisenbetonsohle gemauert wurde, in Mitleidenschaft gezogen. Ein schwerer Artillerietreffer hatte in halber Höhe ein glattes Loch in die Außenwand geschlagen, ohne dass dabei ein Riss im Mauerwerk entstand oder die Stabilität des Turmes beeinträchtigt wurde.

Der Fortschritt der Technik machte seine Reparatur und seinen Fortbestand unnötig. Ein Plan, oben in seinem „Wasserkopf“ ein Aussichtsrestaurant einzurichten, konnte nicht verwirklicht werden.  So blieb nichts anderes übrig als den Riesen zu sprengen. Und das besorgte der Sprengmeister mit Geschick und viel Dynamit. Der Turm wurde nicht einfach gesprengt, sondern „kunstgerecht umgelegt“. Mit donnerndem Getöse neigte er sich zur Seite, während das Mauerwerk barst. Mit Bohlen abgestützt hatte man die Mauern an der zum katholischen Krankenhaus gelegenen Seite, um den Einsturz vorzubereiten. Die Bohlen wurden abgebrannt, dann stürzte die Ruine, wie man es vorausberechnet hatte. Nur ein Trümmerfeld blieb von dem alten Wasserturm übrig. Die Trümmer waren bald beseitigt, der Name Wasserturmstraße blieb über 30 Jahre bis zum Tode Willy Brandts (1913 – 1992) erhalten. Seitdem ist die Wasserturmstraße nach dem ersten sozialdemokratischen Bundeskanzler und Friedennobelpreisträger benannt.